TechChat: „IBM Watson ist ein weltweit einmaliges kognitives System.“

By | 16. Dezember 2014

Professor Dr. Biemann von der TU DarmstadtMitte November machte eine Nachricht die Runde, dass die Zusammenarbeit zwischen IBM und der TU Darmstadt auf den Bereich „Cognitive Computing“ ausgedehnt wird. Konkret bedeutet das: Zahlreiche Studenten und Studentinnen des Fachbereichs Informatik werden in Person von Professor Biemann in der Kunst der semantischen Analyse von Wörtern und Texten unterrichtet.

Geschehen wird dies auf Basis des Alleskönners IBM Watson, der unter anderem Quizduelle gewinnt, kochen kann und Ärzten hilft, ihre Patienten schneller und besser als bisher zu behandeln. Und jetzt wird er auch noch in der Lehre eingesetzt, auf dass die künftigen Forscher und Ingenieure von Watson und dessen Fähigkeiten profitieren.

Ich wollte es genauer wissen und habe Professor Biemann zu einem Telefoninterview eingeladen, das er prompt angenommen hat. Während des Gesprächs haben wir zahlreiche Aspekte der Zusammenarbeit zwischen IBM und der TU Darmstadt erörtert, die ich alle aufgeschrieben habe. Freuen Sie sich auf Interessantes und Erhellendes.

Herr Professor Biemann, warum werden Sie ab nächstem Jahr IBM Watson einsetzen?

Prof. Dr. Biemann: Weil es für uns und unsere Studierenden eine tolle Chance ist, solch ein kognitives System wie IBM Watson kennenzulernen, was im Normalfall mit einem beträchtlichen Entwicklungsaufwand verbunden wäre, den wir als Universität gar nicht leisten können. Damit werden unsere Studenten von Anfang an ein funktionierendes System vorfinden, mit dem sie „Cognitive Computing“ kennenlernen und anwenden können. Das ist für uns alle eine große Herausforderung und einmalige Gelegenheit.

Was kann Watson, was andere vergleichbare Systeme nicht können?

Es gibt eigentlich kein vergleichbares System wie Watson. Denn solch ein Frage-Antwort-System auf Basis der natürlichen Sprache, das große spezifische Textsammlungen ohne größeren Vorbereitungsaufwand verarbeiten und nutzen kann, existiert bis dato kein zweites Mal. Darüber hinaus lernt Watson mithilfe seiner Anwender ständig hinzu, was ebenfalls einmalig ist. Zwar existieren Systeme, die beides separat beherrschen, aber in dieser Kombination ist Watson derzeit einzigartig. Obendrein lässt sich Watson sehr einfach bedienen und bietet eine schöne und intuitive Benutzeroberfläche.

Was werden Ihre Studenten und Studentinnen von Watson lernen können?

Sie werden vor allem lernen, wie man diese Art von Technik und Technologie nutzt, anstatt sie zu bauen oder zu konzipieren. Was sie darüber hinaus lernen werden, ist das Entwickeln eigener „Cogs“, also kognitiver Apps, die mithilfe eines Smartphones die Verbindung zu Watson aufnehmen können. Das Besondere an diesen Cogs ist die Möglichkeit, Watson damit zu trainieren, indem man dem IBM-Rechner permanent mit Feedback versorgt, was richtig und was falsch an einer Antwort war.

Denken Sie beispielsweise an eine News-App, die Ihnen täglich Sportnachrichten auf Ihr iPhone pusht, die Sie gar nicht lesen wollen. Solche Dinge können Sie Watson mithilfe einer speziellen Cog beibringen, sodass sich der Newsstream im Laufe der Zeit Ihren Interessen und Lesegewohnheiten anpasst.

Zu welchen Zwecken werden Sie IBM Watson vor allem nutzen?

Wir werden für das nächste Sommersemester 2014/2015 ein bestimmtes Sachgebiet definieren, mit dem sich die Studenten und Studentinnen dann intensiv beschäftigen sollen. Soll heißen, dass die Studierenden anhand des vorgegebenen Themas kreativ werden, wie sich dieses Sachgebiet mithilfe von Watson bestmöglich darstellen lässt. Und das können sie vermutlich besser als meine Mitarbeiter und ich, da wir meist nicht den ungetrübten Blick auf neue Themen haben.

Um das ein wenig konkreter zu machen, kann man sich einen Anlageberater vorstellen, der auf Basis bestehender Geldanlagedokumenten Watson Fragen stellen kann wie „Soll ich diese Geldanlage kaufen?“. Und Watson wird dann aber nicht nur mit „Ja“ oder „Nein“ antworten, sondern mithilfe der zur Verfügung stehenden Informationen eine differenzierte Analyse liefern können.

Aber auch als klausurvorbereitende Maßnahme könnte man Watson einsetzen, indem wir ihn mit zahlreichen Texten und Fachbüchern füttern. Damit könnten dann unsere Studierenden ihre Klausuren besser vorbereiten, indem sie Watson zu bestimmten Begriffen, Definitionen und anderen Dingen befragen. Das Besondere dabei ist wiederum die Fähigkeit von Watson, anhand dieser Fragen besser zu verstehen, worauf es den Studenten bei ihrer Klausurvorbereitung vor allem ankommt.

Haben Sie unbegrenzten Zugriff auf IBM Watson?

IBM Watson stellt sich als eine Cloud-Installation dar, von der wir eine sogenannte „Private Instance“ nutzen dürfen. Das bedeutet, dass wir im Produktivbetrieb nur eine Domäne, also ein Sachgebiet gleichzeitig bearbeiten können. Das ist in dieser Form aber sinnvoll, da wir ja erst einmal herausfinden wollen, wie Watson mit nur einer Domäne funktioniert. Allerdings bestünde die Möglichkeit, mit anderen vergleichbaren Fakultäten eine Kooperation einzugehen und dann deren Watson-Instanzen zu nutzen.

Welches Ziel geben Sie für Ihre Studentinnen und Studenten aus?

Zum einen sollen sie verstehen, wie ein kognitives System funktioniert, auch in theoretischer Hinsicht. Zum anderen sollen sie lernen, wie sich Watson „anfühlt“, wie man ihn also in der Praxis einsetzt, um damit selbst zu erleben, was funktioniert und was nicht. Dank dieses Wissens werden sich unsere Studierenden sicherlich später einmal sehr gut am Markt positionieren können.

Mit welchen Worten werden Sie die erste „Watson-Vorlesung“ beginnen?

„Willkommen allerseits in der neuen Ära des kognitiven Rechnens!“

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Michael Hülskötter

Ich schreibe im Auftrag der IBM Deutschland GmbH auf dem Hightech Computing Blog.
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