HPC-Infrastruktur zu vermieten: „Blue Wonder“ und IBM machen es möglich

By | 18. November 2013

Hartree CentreWenn ein Unternehmen sein HPC-Cluster „Blue Wonder“ nennt, muss sich etwas ganz Besonderes dahinter verbergen. „Blue Wonder“ steht im Hartree Centre, einem HPC-Infrastruktur-Anbieter, der im britischen Städtchen Daresbury nahe Manchester komplette HPC-Dienstleistungen an britische Firmen „verkauft“, die mit der Hilfe von „Blue Wonder“ Rechen- und Speicherkapazitäten in Anspruch nehmen können, die sie aus eigener Kraft oder mit eigenen Mitteln nicht bereitstellen können oder wollen.

Der Name „Blue Wonder“ stellt hierbei eine doppelte Reminiszenz dar, einerseits an IBM, also „Big Blue“, die das HPC-Rechenzentrum in Daresbury überhaupt ermöglicht hat. Andererseits erinnert der Name an den bekanntesten Sohn des Ortes im Nordwesten Englands, nämlich an Lewis Carroll, dessen berühmtestes Werk „Alice im Wunderland“ ist.

„Blue Wonder“ also, dieses blaue Wunderding der Technik, das alleine mit seinen bloßen Zahlen beeindruckt. Es stellt nämlich einen HPC-Verbund dar, der auf dem Serversystem IBM System x iDataPlex dx360 M4 basiert und eine gewaltige Rechenleistung bietet. Genauer gesagt handelt es sich dabei um insgesamt 512 Recheneinheiten, die allesamt mindestens 32 GB RAM beherbergen und jeweils zwei 8-Core-Prozessoren vom Typ Intel Xeon E5-2670 für die Berechnungen nutzen.

Das macht in Summe 8.192 Prozessorkerne, was „Blue Wonder“ eine Rechenleistung von 170 Teraflops beschert. Damit befindet sich der IBM-Cluster immer noch unter den 500 schnellsten Supercomputern der Erde (6/2013: Platz 222). Und das, obwohl er bereits 2012 gebaut wurde.  Ach ja: Im Hartree Centre kommt mehr und mehr die IBM NeXtScale-Architektur zum Einsatz, da sie sich so flexibel in die vorhandene Infrastruktur integrierten lässt.

Administriert, überwacht und gesteuert wird Blue Wonder von der IBM Platform HPC, das für das Bereitstellen komplexer HPC-Infrastrukturen zuständig ist. In Kombination mit der Anwendungssoftware vSMP Foundation der Firma ScaleMP kann das Hartree Center mit geringem Aufwand ihre geballte HPC-Power in Form von virtuellen HPC-Clustern an Firmen „verleihen“, die auf Basis dieser Rechen- und Speicherkapazitäten hochkomplexe Anwendungen entwickeln, testen und implementieren können. Und das zu einem Bruchteil der Kosten, die für solch eine Rechenumgebung tatsächlich entstünden.

Hierfür nutzt vSMP 384 der 512 Recheneinheiten von Blue Wonder, um daraus eine virtualisierte HPC-Umgebung bereitzustellen, die aus umgerechnet 6.144 Prozessorkernen und 48 Terabyte Storage besteht. Darauf lassen sich komplette Big-Data-Anwendungen simulieren, entwickeln und realisieren, bis diese marktreif sind und bei den Auftraggebern implementiert werden können. Dank dieser enormen Flexibilität von Blue Wonder können sowohl viele kleinere als auch sehr große Projekte auf derselben Plattform umgesetzt werden. Es spielt also keine Rolle, ob 100, 1.000 oder 3.000 Prozessoren mit 20, 200 oder 2.000 Gigabyte Speicher zum Einsatz kommen sollen.

IBM Platform HPC kümmert sich aber auch um das gesamte Workload-Management, und zwar basierend auf IBM Platform LSF. Damit wird sicher gestellt, das sämtliche Ressourcen bestmöglich eingesetzt werden. Das erhöht die Effizienz, den Datendurchsatz und die Produktivität des gesamten Systems. Zudem können IT-Admins mithilfe von IBM Platform HPC die vorhandene Hardware wie NVIDIA Kepler und Intel Xeon Phi Co-Prozessoren optimal einsetzen, indem sie diesen bestimmte Aufgaben zuweisen.

Zu den Auftragskunden, die „Blue Wonder“ im Laufe der Zeit bereits genutzt haben, gehören unter anderem die Automobilhersteller Bentley und Jaguar, die beide ihr Produktdesign mithilfe der Rechen- und Speicherkapazität des Hartree Centre realisiert haben. Aber auch der multinational agierende Konzern Unilever (Nahrungsmittel, Waschmittel, Kosmetika) hat bereits auf die HPC-Power des „Blue Wonder“ zurückgegriffen. So wurden mithilfe des HPC-Clusters unter anderem Laborversuche durchgeführt, die normalerweise 8 bis 12 Wochen in Anspruch nehmen. Dank „Blue Wonder“ ließ sich dieser Testaufwand auf schlappe 45 Minuten reduzieren. Ein echtes Blaues Wunder eben.

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Michael Hülskötter

Ich schreibe im Auftrag der IBM Deutschland GmbH auf dem Hightech Computing Blog.
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